Abstraktes rotes Gemälde mit einer grauen Form in der Mitte

Verdichtungen

Heliane Wiesauer-Reiterer

2. Juli – 29. November 2026

Verdichtungen

Heliane Wiesauer-Reiterer

2. Juli – 29. November 2026
Kategorie: Vorschau

Die große Bandbreite ihrer technischen Möglichkeiten rechtfertigt Heliane Wiesauer-Reiterers Bezeichnung als „Universalkünstlerin“. Sie arbeitet als Malerin, Grafikerin, Fotografin und Bildhauerin; ihre Formate reichen von kleinen Stücken bis zu monumentalen Arbeiten, und ihre Arbeitsweise kann in groß angelegten Serien aber auch Einzelstücken münden.

 

Fragmentierung, Gliederung, Teilung und Reduktion auf den Kern prägen Wiesauer-Reiterers Werk; es geht um Verdichtungen, um das wesenhafte Sein, das sich in der Konzentration auf Kopf, Torso oder abstrahierte Strukturen zeigt. Ihr Anliegen ist die Erfassung grundlegender emotionaler Zustände, durchzogen von leiser Melancholie. Die menschliche Figur erscheint häufig gekrümmt, fallend oder fragmentiert als Sinnbild der ausgesetzten Existenz.

 

Auch in Landschaften und Architekturen bildet sinnlich wahrnehmbare Realität den Ausgangspunkt, wird jedoch so weit geteilt und reduziert, bis nur noch eine Assoziation bleibt, die das Ganze enthält und sich leichter in den Erfahrungsschatz der Betrachter:innen einfügt. So entsteht bildliche Kommunikation von hohem Niveau.

 

Wiesauer-Reiterer ist eine der wenigen Malerinnen der „Neuen Wilden“ der 1980er Jahre, eine Reduktionistin ohne dem Neo Geo der 1990er Jahre anzugehören, Materialkünstlerin ohne Zugehörigkeit zur Arte Povera und Spurensucherin, die im gefundenen Material individuelle Qualitäten erkennt. Stein etwa ist für sie Partner im Schaffensprozess: Seine Eigenart dient als Ausgangspunkt für Um- oder Neudeutungen.

 

Ihre tiefe Zuneigung zur Natur prägt alle Werkgruppen; auch die Fotografien tragen diese Mischung aus Bewunderung und Sorge und verfolgen Struktur und Reduktion durch Verkehrung, Spiegelung, Solarisation und Tonung. Als eine der bedeutenden Künstler:innen ihrer Generation ermöglicht sie Bilderfahrungen von außergewöhnlichem Tiefgang. Eine großzügige Schenkung an das Wien Museum erlaubt nun einen hochrangigen Querschnitt durch ihr gesamtes Œuvre.

 

Kurator
Berthold Ecker
Ausstellungsgrafik
Lisa Ifsits und Simon Walterer
Ausstellungsproduktion
Heimo Wlatzik
Hauptsponsor
Wiener Stadtwerke
Abstraktes rotes Gemälde mit einer grauen Form in der Mitte
Heliane Wiesauer-Reiterer, Im Raum zirkulieren, 1983, Eitempera, Öl/Leinwand, 200 x 200 cm | Foto: Leonhard Hilzensauer © Bildrecht, Wien 2026
© 2026 Wien Museum
Österreichisches Umweltzeichen - Grünes Museum