Wolfgang Kracher
Graphiken
6. Juni – 6. Juli 1995
Wolfgang Kracher
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Gedanken zu den Arbeiten Wolfgang Krachers
Das Euvre Wolfgang Krachers, eines Absolventen der Akademie der bildenden Künste, Meisterklasse Prof. Maximilian Melcher, läßt sich in drei Arbeitsgruppen, die sowohl durch Technik und Sujet wie auch durch Inhalt und Form voneinander unterscheidbar sind, gliedern. Welche verbindenden Elemente sie aber doch aufweisen, sodaß sie als Schöpfungen eben eines einzigen Menschen erkennbar sind, das soll Intention dieser kurzen Analyse sein. Die Farbdichte und -iefe der Pastellkreiden der auf den ersten Blick abstrakt erscheinenden Landschaften saugt den Blick des Betrachters magisch in sich auf. Das, was für den Künstler ein sehr konkreter Blick in den heimatlichen Obstgarten oder auf ein Haus am See ist, bedeutet für den Betrachter materialisienes Blau oder Gelb, Farbe an sich, wie ein Raum, der zur Gänze aus Klängen aufgebaut ist. Der Begriff des "inneren Klanges" stammt aus Wassily Kandinskys 1912 veröffentlichtem Buch "Über das Geistige in der Kunst". Wie kein anderer sah er engste Verbindungen zwischen Musik und Materei, ein Gedanke, der alle folgenden Künstler des 20. Jahrhunderts beschäftigen sollte.
Das Besondere an Wolfgang Krachers Pastellen ist jedoch ihre Dreidimensionalität, die nicht nur malerisch-illusimistisch erzielt wird, sondern auf der Wirkung der realen Masse des Papiermaches, das der Künstler selbst erzeugt und auf den Untergund aufbringt, beruht. -Der Gedanke, daß Wolfgang Kracher talsächlich eines Tages freie Plastiken formen könnte, liegt nahe. Eine zu den malerischen Pastellen scheinbar sehr konträre Werkgruppe bilden die feinnervigen Bleistift- und Tuschezeichnungen, die oft kleine Launen der Narur thematisieren: verdorrte Blätter, Rosenknospen, die sich wie zerfurchte Landschaften, wie ein Schlachtfeld, begleitet von skripturalen, doch unlesbaren Kommentaren, vor dem Auge des Beschauers aufblättern. Diese Metamorphosen der Natur stellen für Wolfgang Kracher einfach "kleine Fingerübungen" dar, sind jedoch gleich Vanitas-Symbole, die an die Vergänglichkeit allen Seins gemahnen.
Eine ganz andere Seite seines Wesens zeigl uns der Künstler in seinen karikaturhaften Darstellungen von lasterhaften Menschen wie Kinderschändern und Verführerinnen. Mit klarem, sehr gezielt, doch sparsam gesetztem Strich weist er auf die Sündhafligkeit des Leibe, auf seine Gier und seine Ausgesetztheit hin - nicht moralisierend, sondern stets vergnüglich. Wolfgang Kracher erweist sich stets als scharfer Beobachter mit untrügerischem Blick, der in die Tiefe geht und so in der Landschaft wie im verdorrten Blatt oder im aufgedunsenen Körper des Kinderschänders nach Wahrheit sucht. Neben Tortur und Obsession bietet er Harmonie, Innerlichkeit und Hoffnung als Botschaft an. Dr. Gabriele Kreidl-Kala
Kurzbiographie
Geboren am 1. Mai 1961 in Fürstenfeld | 1981 - 84 Studium der Germanistik und Psychologie, UNI Wien | 1984 - 88 Akademie der bildenden Künste in Wien (Professor M. Melcher) | 1988 Diplom
Ausstellungen
1992 "Landblicke - Lichtsichten", Galerie im alten Rathaus, Fürstenfeld
Preise
1984 Ankaufspreis, 19. Österreichischer Grafikwettbewerb, Innsbruck | 1986 Ankaufspreis "20. Österreichischer Grafikwettbewerb, Innsbruck
Kontakt:
Lazarettgasse 34/2/9, 1090 Wien
Telefon: 0222/402 50 67