Papierspiel und Bilderbogen aus Tokyo und Wien 1780-1880
4. Dezember 1997 – 15. Februar 1998
Papierspiel und Bilderbogen aus Tokyo und Wien 1780-1880
Das Historische Museum der Stadt Wien zeigt erstmals eine repräsentative Auswahl japanischer Bilderbogen, die hauptsächlich aus der wissenschaftlichen Sammlung von Frau Prof. Ann Herring stammen: Bunte, einprägsame Illustrationen, die auf Spielbrettern, Kartenspielen, Almanachen, Modellierbogen und Kinderbüchern ebenso zu finden waren wie auf Wandbildern zum täglichen Gebrauch breiter Bevölkerungsschichten. Der Begriff "Bilderbogen" - in Europa auch unter der Terminologie "imagerie populaire" bekannt - umfaßt vielfältige Erscheinungsformen populärer Druckgraphik, die besonders im 19. Jahrhundert durch die bestechend hohe Qualität eine immense Verbreitung hatte. Durch ihre Verwendung als "Gebrauchsgraphik" ist ein großer Anteil unwiederbringlich verloren gegangen. Erst jetzt beginnt die Wissenschaft, sich dieser vergangenen zauberhaften Bilderwelt anzunehmen.
Heute besitzen die Bilderbogen aus Japan, die in der Geschichte des Farbholzschnittes eine wesentliche Rolle spielen, großen Seltenheitswert. Berühmte Künstler wie Hokusai, Hiroshige, Kuniyoshi aber auch Kyosai, Eisen und Shigemasa arbeiteten in der Bilderbogenproduktion.
Im interkulturellen Vergleich werden der japanischen Bilderwelt dann Wiener Bilderbogen, sogenannte "Mandlbögen" (Ausschneidebogen), Papiertheater und Spiele gegenübergestellt. In jener Zeitepoche entwickelte sich Wien innerhalb von Europa zu einem Zentrum der Druckgraphik. Die Popularisierung von Kunst und Bildung hatte durch die Ideen der Aufklärung einen entscheidenden Impuls erhalten: Eine Bilderflut unter dem Motto "Zum Nutzen und Vergnügen" war nun auch vor allem durch die neue Technik der Lithographie möglich geworden. Die außerordentlich künstlerische Qualität dieser populären Druckgraphik in Wien erklärt sich daraus, daß sie zumeist von berühmten Künstlern wie z.B. von Moritz von Schwind, Matthäus Loder und anderen entworfen wurde, die allerdings diese als "Massenware" angesehenen Bilder nicht signiert haben.
Die Erfassung seltener Inkunabeln, aber auch das breite Angebot biedermeierlicher Bildvorstellungen zeigen eine bisher in diesem Ausmaß nicht gekannte wundersame Bilderwelt, bei der die spielerische Leichtigkeit der Darstellungen besticht. Die Konfrontation dieser Bildimaginationen mit den damaligen gesellschaftlichen Wirklichkeiten wird in der Ausstellung neue Erkenntnisse bringen.
Ein reich illustrierter Katalog wird die Ergebnisse der kulturellen Vielfalt, die dann doch wiederum erstaunliche Parallelitäten zwischen Japan und Österreich aufweist, dokumentieren.