Gerlinde Thuma
30. Mai – 28. Juni 1990
Gerlinde Thuma
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Zum Thema "Kunst und Vernunft" schreibt Richard Artschwager im Parkett Nr.23/1990: "Vernunft hat sich im physischen Raum wie Schaum auf der Flut der Erfahrungen entwickelt, der gelegentlich auf das Netz der instinkte übergreift oder darin hängen bleibt. Beim Kunst-Machen wird solcher Über-Schaum wieder in die Flut zurückgeleitet, um deren Kraft zu steigern. Das sieht man an der Kunst, sei sie nun 30000 Jahre alt oder erst vor 30 Tagen gemacht worden. Nichts wird verschwendet. Korrigieren, Beschneiden, Ausscheiden, derartige Eingriffe sind der Kunst eher fremd, hingegen sind sie integraler Bestandteil von Vernunft, so wie sie die Sprache verkörpert - welch eine rigide Disziplin!"
Betrachtet man die überarbeiteten Materialcollagen der Lassnig-Schülerin Gerlinde Thuma näher, so verwendet sie mit Vorliebe Abfallmaterial wie Reste von Verpackungen als Ausgangspunkt für ihre Arbeit. Die funktionslos gewordene Materie lädt sie neu mit Bedeutung auf, entlockt ihr eine subtile Ästhetik, die man als die Schönheit des Häßlichen, Wertlosen bezeichnen kann. Obwohl sie oft eine sprachliche Ebene in die Arbeit einführt, die Bildtitel in die Komposition miteinbezieht, ist dies kein Schlüssel zur rationalen Analyse des Werks, das nur in seiner Gesamtheit auf einer meta-sprachlichen Ebene erfaßt werden kann.
Sprache dient hier vielmehr zur Einführung eines Elements der Poesie, das die Bilder zusätzlich mit einer zwar unsichtbaren, aber dennoch wirksamen Schicht überzieht. Vielleicht ist das auch ein zusätzlicher Schleier, den Gerlinde Thuma über ihre Sinnlichkeit legt, ein Moment der Erotik, die eigentlich in allen Arbeiten mitschwingt.
Peter Nesweda
Kurzbiographie
Gerlinde Thuma Geboren am 17.3.1962 in Wien | 1981-1988 Studium an der Hochschule für angewandte Kunst (Prof. M. Lassnig, Malerei und Trickfilm) | 1988 Diplom | 1896 Anerkennungspreis des Landes Niederösterreich
Einzelausstellungen
1984 und 1989 Herbert Lederers Theater am Schwedenplatz, Wien | 1986 Galerie Eichgraben | Galerie Arcade, Mödling | 1989 Galerie CULT, Wien | 1989/90 "Kunst im Nestroyhof", Wien
Trickfilme
1984 "Abanaleballade" | 1986 in: "1x1 des Glücklichen Lebens" | 1987/88 in: "Aufzeichnungen eines Nervenkranken" (Regie, E. Schmid jr.)
Bühnenbild
1989 "Zerbinettas Befreiung", Metropol, Wien | 1990 "Salome", Theater Gruppe 80. Wien,
Kontakt:
1090 Wien, Gamisongasse 18/11/27
Tel.: 4240265