Josef Frank als politischer Literat
24. November 2026, 18:30–20:00
Josef Frank als politischer Literat
24. November 2026, 18:30–20:00
Zwei neue Bücher eröffnen eine weitgehend unbekannte Seite des Architekten, Designers und Theoretikers Josef Frank: die des politischen und literarischen Autors.
Der Zweite Dreißigjährige Krieg entstand bereits 1938 und erzählt die Jahre von 1914 bis 1944 als phantastisch überhöhte und satirisch zugespitzte Geschichte. Bemerkenswert ist dabei Franks geradezu visionärer Blick auf die Zukunft: Den kommenden Weltkrieg, seinen Verlauf und einen möglichen Friedensschluss im Jahr 1944 nahm er in wesentlichen Zügen vorweg. Zugleich rechnet der Text mit der Gleichgültigkeit und Kollaboration europäischer Wirtschaftseliten angesichts von Nationalsozialismus und Antisemitismus ab.
Wenige Jahre später griff Frank den Stoff erneut auf und verarbeitete ihn zu dem Spionage- und Kriminalroman Die Friedenskonferenz. Dieser führt auf eine fiktive Karibikinsel am imaginären Ende des Zweiten Weltkriegs. Inmitten diplomatischer Verhandlungen entspinnt sich eine Geschichte aus Spionage, Mordfällen und einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte.
Gemeinsam mit Die Friedenskonferenz erscheint der ebenfalls bislang unveröffentlichte Text Die vier Freiheiten. Darin setzt sich Frank satirisch mit Franklin D. Roosevelts berühmtem Programm auseinander und verwandelt dessen politische Leitbegriffe in ein phantastisch-ironisches Spiel über Macht, Freiheit und menschliche Vorstellungskraft.
Die beiden Bände zeigen Josef Frank als überraschend vielseitigen Autor, der die politischen Katastrophen seiner Zeit mit den Mitteln der Analyse, der Satire und der Phantastik zu fassen suchte und dessen Texte dabei eine erstaunliche Aktualität entfalten.
Der Zweite Dreißigjährige Krieg und Die Friedenskonferenz / Die vier Freiheiten erscheinen bei Löcker.
Abbildung von Josef Frank, Foto: Lennart Nilsson, courtesy of the Svenskt Tenn Archive.
