Julia Effekt – Popfest
25. Juli 2026, 22:00–23:00
Julia Effekt – Popfest
25. Juli 2026, 22:00–23:00
„Jung oder nicht“, singt Konstantin Mues-Boeuf, „Verschwende sie und sitz ganz still, ich weiß doch, wie es ist...“ Dabei suggeriert der Schlagzeug-Beat von Jacob Dörr so ziemlich das Gegenteil, nämlich geballte Unruhe knapp vor dem Ausbruch (und der kommt verlässlich!). Dabei entspinnt sich im Kopf ein Jahrzehnte vor die Geburt des Sängers zurückreichender Assoziationsfaden: Wenn der Titel eines Songs aus dem DAF-Album „Gold und Liebe“ (1981), geborgt 2001 für einen Bestseller über deutschen Punk und Post-Punk, der 2003 wiederum einen gleichnamigen Spielfilm inspirierte, 44 Jahre nach dem DAF-Song, 24 Jahre nach dem Buch und 22 Jahre nach dem Film als Lied einer Wiener Band namens Julia Effekt wiederkehrt, dann... Ja, dann sieht man wieder, wie es sich dreht, das Referenzen-Karussell des Pop.
Der Punkt ist, dass „Verschwende deine Jugend“ von Julia Effekt seine eigene Botschaft anpeilt, die mit dem düsteren, postfaschistischen Hedonismus bei DAF, aber auch mit der Authentizitäts-Nostalgie zu Anbruch des Millenniums so gut wie nichts mehr zu tun hat. Diese junge Band (das sind Ana Maria Herzog am Bass, Oscar Böhm und Maximilian Eberhart an den Gitarren sowie erwähnte beiden anderen, die singen und trommeln) charakterisiert ihre eigene Musik programmatisch als Letzte Deutsche Welle. Und das meint eben was ganz anderes als die Neue, geschweige denn die Neue Neue Deutsche Welle. Die Apokalypse lauert hier doch nicht mehr im Hintergrund als mögliche Option und fatalistischer Party-Vorwand, sie ist längst im Laufen. Und falls sich wer am Attribut „Deutsche“ stößt: Es gibt derer doch viele in Wien, manche studieren hier und spielen dabei in einer Band namens Julia Effekt. Sie machen Rockmusik in grobkörnigem Monochrom für den Ernstfall, der nach Echtzeit-Organisation im analogen Raum verlangt. Deshalb sprechen sie auch gern von Subkulturen, die es scheinbar nicht mehr gibt. Die aber schnell entstehen können rund um eine Band wie diese.
Text von Robert Rotifer / Popfest Wien
Abbildung von Julia Effekt © Anna Francesca
