Eduard von Engerth 1818-1897
18. September – 16. November 1997
Eduard von Engerth 1818-1897
Biographie:
Als Sohn eines Malers am 13.5. 1818 in Pleß (Preuß. Schlesien) geboren, bekam er schon in jungen Jahren ersten Unterricht bei seinem Vater Joseph Engerth. Ab 1833 übernahm sein Onkel Johann Engerth, ein in Pest ansässiger Bühnenmaler, seine Ausbildung. Im Jahre 1837 zog er nach Wien, um sich an der Wiener Akademie unter Kupelwieser weiterzubilden - zahlreiche Preise waren die Folge. Von 1847 bis 1853 unternahm Engerth eine Studienreise, die ihn durch Deutschland, Frankreich, England, die Niederlande, Italien und sogar in Teile des Orients führte. In diesen Jahren kam es auch zur ersten Begegnung mit Rom, wo er sich 1847 ein halbes Jahr aufhielt, jedoch ohne die erwarteten Fortschritte zu machen. 1851 kehrte er nochmals nach Rom zurück, machte diesmal, nicht zuletzt durch die Bekanntschaft mit Peter von Cornelius und damit in weiterer Folge mit dem deutschen Künstlerverein, größere Fortschritte. 1854 wurde Engerth Direktor der Prager Akademie, wo er sich hauptsächlich der Bildnismalerei widmete. Da er aber laufend an großen Arbeiten in Wien tätig war, sollte es nur eine Frage der Zeit sein, bis er 1865 als Akademieprofessor hierher übersiedelte. Große Staatsaufträge prägten die folgenden Jahre, 1871 wurde er Direktor der Belvedere - Galerie, und schließlich 1873, nach hervorragender Arbeit bei der Wiener Weltausstellung, in den Ritterstand erhoben. 1874 bis 1876 leitete er die Wiener Akademie, von der er sich aber schon 1877 wieder zurückzog, um wieder in der Belvedere - Galerie zu arbeiten, deren Übersiedlung ins Kunsthistorische Hofmuseum er leitete. Zu seinen letzten großen Aufgaben gehörte die Erstellung eines dreibändigen Kataloges der Gemäldegalerie, bei der er sich auch als Kunsthistoriker betätigte, obgleich ihm für kritisches Quellenstudium die fundierte Ausbildung fehlte.
An dieser Stelle sollte auch erwähnt werden, daß ihm eine gewisse Begabung für Kunstschriftstellerei nicht abgesprochen werden kann.
1892 in den Ruhestand getreten, verbrachte er seine letzten Lebensjahre abwechselnd in seiner Dienstwohnung im Belvedere oder, während der Sommermonate im Südbahnhotel am Semmering, wo er am 28. Juli 1897 nach längerer Krankheit verstarb.
Neben seiner Gattin Auguste, die 1912 starb, ist Eduard Ritter von Engerth am Hietzinger Friedhof bestattet.
Zum Werk des Malers:
Am Anfang seiner Laufbahn vom Kreis der Wiener Nazarener um Leopold Kupelwieser und Josef von Führich stark geprägt, beteiligte er sich 1854 am Freskenschmuck der Altlerchenfelder Kirche. Diese wurde als das wichtigste Denkmal der "katholischen Restauration des 19. Jahrhunderts" angesehen. Führichs Plan für eine Ausschmückung der Kirche wurde zwar in erster Instanz von Fürsterzbischof Milde abgelehnt, nach seinem Tod 1853 jedoch waren alle Wege offen. Am 26. Juni dieses Jahres gab der Kaiser seine Zustimmung. Engerths Anteil waren das linke Seitenschiff, das er nach eigenen Entwürfen schuf, sowie das Chornischenfresko, das er nach einem Entwurf Führichs ausmalte. Diese Arbeit beschäftigte ihn sieben Jahre lang, von 1854 bis 1861, und er hatte damit Anteil "an dem Gesamtkunstwerk, in dem das Ideal der religiösen Malerei der Romantik in Wien zur vollen Entfaltung kam".
Andererseits betätigte sich Engerth seit 1852 auch als realistischer Historienmaler, was etwa sein im folgenden Jahr gemaltes Bild "Die Gefangennahme der Kinder König Manfreds durch die Reiter des Karl von Anjou nach der Schlacht bei Benevent" belegt.
In seiner Prager Zeit malte er weitere Historienbilder, aber auch Porträts berühmter Aristokraten sowie des Kaiserpaars. Letzteres fand offensichtlich Gefallen bei Hofe, sodass der Kaiser 1863 bei Leopold Schmidt einen Kupferstich dieses Porträts in Auftrag gab.
1865 entstanden nicht nur die Fresken der Orpheussage (im Treppenhaus zur ks. Loge) und zu Figaros Hochzeit (im Foyer der ks. Loge) im Opernhause in Wien, sondern auch eines seiner besten Historienbilder, nämlich das vom "Sieg des Prinzen Eugen bei Zenta".
1867 malte Engerth die "Krönung Kaiser Franz Josephs zum König von Ungarn am 8. Juni 1867", das zusammen mit dem oben genannten Historienbild 1945 in der königlichen Burg in Budapest verbrannte. Auch die Fresken in der Wiener Oper wurden zum überwiegenden Teil ein Raub der Flammen, drei Fresken des Figaro - Zyklus befinden sich heute noch in der Parterre - Garderobe.
Eines seiner letzten Werke war der "Tod der Eurydike", ein Ölbild für das Rudolfinum in Prag.
Zu Engerths Schülern gehörten bekannte Persönlichkeiten wie Karger, Charlemont, Simm, Rumpler oder Jul. Berger.
Eduard Ritter von Engerth war nicht nur ein wichtiger Neuerer der Wiener Kunst, er war auch einer der ersten Bildnismaler in Österreich.
Der Zweite Weltkrieg vernichtete aber leider große Teile seines Gesamtkunstwerkes, sodass uns von solch herausragenden Arbeiten, wie z.B. den Fresken in der Staatsoper, nur noch wenig erhalten geblieben ist.