Blickfänge einer Reise nach Wien
Fotografien 1860-1910 aus den Sammlungen des Historischen Museums der Stadt Wien
22. Juni – 29. Oktober 2000
Blickfänge einer Reise nach Wien
Fotografien 1860-1910 aus den Sammlungen des Historischen Museums der Stadt Wien
Das Wien der Ringstraßenzeit steht synonym für eine Zeit der kulturellen Hochblüte. Wiens Ehrgeiz war, weder hinter London noch hinter Paris zurückzustehen. So wurde am 1. Mai 1873 die fünfte Weltausstellung im Wiener Prater eröffnet.
Das Fotografengewerbe war von dieser stürmischen Phase der Entwicklung ganz besonders betroffen. Gute Kundschaft stellte das sich emanzipierende Bürgertum dar. Die Darstellung im Foto-Porträt sollte das neue Selbstverständnis des Bürgers manifestieren.
Bereits in der zweiten Hälfte der 60iger Jahre des 19. Jahrhunderts gab es in Wien rund 150 Foto-Ateliers. Spezialisten für Architektur, städtisches Leben und Porträts übten sich in ihrem Metier.
Das Historische Museum der Stadt Wien besitzt mit seiner Foto-Sammlung einen reichen Schatz aus dieser frühen Zeit der Wiener Fotografie. Fotografen wie August Groll, Michael Mayer, Josef Mutterer, Bruno Reiffenstein und etwa Carl Schuster sind reich vertreten. Sie gewähren uns Einblicke in wissenschaftliche, gesellschaftliche und ästhetische Strömungen im Wien der Ringstraßenzeit.
Die Foto-Ausstellung ist als ein 10-tägiger Wien-Besuch vor rund 100 Jahren konzipiert. Zeitgenössische Reisebuch-Literatur half uns, ein attraktives Tagesprogramm zusammenzustellen: Stadtspaziergänge (Sehenswürdigkeiten), Kaffeehausbesuche, ein Ausflug mit der Zahnradbahn, zur Weltausstellung, in den Wurstelprater, ins "Venedig in Wien", Museumsbesuche (Kunst- und Naturhistorisches Museum, Arsenal, etc.).
"Es ist üblich, im Kaffeehaus den Hut aufzubehalten, während dies in den anständigen Gasthäusern, namentlich im Extra- oder Speisezimmer, als eine grobe Unsitte angesehen werden würde. Hier ist noch des Kaffeegebäcks zu erwähnen, welches von vorzüglicher Qualität ist. Ausser den Kaisersemmeln erhält man zum Kaffee Milchbrod, Kipfel und Baunzerl." (Meyers Reisebücher, Wien, Führer durch die Kaiserstadt, 1873.)
Ein Schwerpunkt am Ende der Ausstellung behandelt einige Wiener Fotografen.
Rund 300 fotografische Arbeiten (u.a. Daguerrotypien, Stereoskopien, Glasplatten) bieten ausgewählte Blickfänge.
Zur Ausstellung erscheint ein reich bebildertes Begleitbuch.