Andreas Ortag
Wächter
21. Februar – 15. März 1990
Andreas Ortag
Wächter
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Wir kennen Andreas Ortag als Maler glutvoller, farbintensiver Bilder, als Vertreter einer Abstraktion, die bei aller Spontanität und Expression ihre Herkunft aus dem real Vorgegebenen nicht verleugnen möchte. Ortags Bestreben geht jedoch dahin, das Vorgefundene seiner Phantasie als Spielmaterial zuzuführen. Neben seiner Malerei entstanden seit jeher dreidimensionale Arbeiten, in denen Fundmaterial verschiedenster Art neu interpretiert und umgeformt wurde.
Ortag nennt seine seit 1985 geschaffenen plastischen Miniaturen "Wächter" und deutet damit auch die Beseelung toter Materie an, die aus einem Lötkolben ein kleines, aggressives Wesen werden läßt oder aus verschweißten Nägeln das Totem eines unbekannten Kultes. Ein persönlich motivierter Animismus belebt plötzlich die durch Montage, Kombination und farbige Akzente umfunktionierten Fundobjekte und das aus dem Müll geholte Material. Ortag bastelt winzige Laren und Penaten für unsere entmythologisierte Konsumgesellschaft, die uns irritieren und zu leiser Besinnlichkeit verhelfen.
Witzig, ironisch und selbstbewußt um ihren kleinen Zauber Bescheid wissend, nehmen diese Objekte ihre Wächterfunktion wahr. Alles Laute oder Heroische ist ihnen fremd, ihre Wirksamkeit beruht einfach auf ihrer Faktizität, ihrem Vorhandensein. Ortags Wächter haben einen berühmten Verwandten: Es ist Kafkas "Odradek", jener geheimnisvolle Hauskobold, der einer nichtigen Zwirnspule ähnelt.
Alles, was stirbt, hat vorher eine Art Ziel, eine Art Tätigkeit gehabt und daran hat es sich zerrieben; das trifft bei Odradek nicht zu (Franz Kafka, Die Sorge des Hausvaters).
Wolfgang Hilger
Kurzbiographie
Andreas Ortag geboren am 23.1.1955 in Waidhofen a.d. Thaya | 1970 Übersiedelung nach Wien | 1973 Beginn freischaffender künstlerischer Tätigkeit | 1978-1983 Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien (Prof. W. Eckert) | Abschluß mit Diplom | 1982 Anerkennungspreis des Landes Niederösterreich | 1985 Staatsatelier des BMUKS, Körnerpreis | 1988 Arbeitsstipendium der Stadt Wien | 1990 Grafikmappe "Wächter" (12 Offset· Lithos), Edition Thumhof
Ausstellungen (Auswahl)
1983 Wien, Wssion (Clubgalerie) | 1985 St.Pölten, Dokumentationszentrum für moderne Kunst | 1986 Wien, Galerie Augenspiegel | 1988 Wien, Galerie Cult | Horn, Thurnhof-Galerie
Kontakt:
1060 Wien, Kaunitzgasse 16/13
Tel. 5875011