Amina Broggi
Die Gefallenen
6. September – 5. Oktober 2006
Amina Broggi
Die Gefallenen
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Amina Broggis Bilder sind durch ihre brillante Farbigkeit, die perfekt ausgeführte Maltechnik und präzise Pinselführung schon von weitem kaum zu übersehen. Soweit zur Oberfläche. Was die Arbeit der Studentin der Wiener Universität für angewandte Kunst jedoch im Weiteren auszeichnet, ist der reflektierte Blick hinter die Dinge. Das Medium der Fotografie dient der Künstlerin grundsätzlich als inspirierender Ausgangspunkt für ihre Arbeit. Im Allgemeinen erfährt die fotografische Vorlage während des Malprozesses eine Umwandlung, indem Details übersteigert dargestellt, andernfalls einfach ausgelassen oder neue hinzugefügt werden. So entsteht letztendlich im vollendeten Gemälde allerlei Neues, das auf inhaltlicher Ebene weit über die zufällig vorgefundenen Motive oder als geeignete Schnappschüsse ausgewählten Fotos hinausgeht. In ihrer aktuellen Bilderserie zeigt Amina Broggi lebende, tote und verletzte Tauben. Als christliches oder mythologisches Symbol, als Sinnbild gegen den Krieg oder als Friedenssymbol, wie etwa bei John Heartfield oder Pablo Picasso, ist das Motiv der Taube bei der jungen Liechtensteinerin allerdings nur bedingt zu verstehen. Jenseits der facettenreichen Symbolik der Taube setzt sie sich hingegen in ihren Arbeiten intensiv mit Existentiellem – mit Leben, Tod, Überleben und Zusammenleben – auseinander. Ihr Themenspektrum ist weit gefasst: Individualität, Anonymität und Vereinzelung, Empathie, Massenhysterie und Brutalität. Formal fast auf malerische Qualitäten reduziert, verleiht die lange Beschäftigung mit dem Motiv ihren Gemälden jedoch eine immense Ausdruckskraft. Offensiv konfrontiert uns Amina Broggi mit Blut, Tod, verletzt sein und verletzt werden und lenkt damit den Blick ganz bewusst auf aktuelle gesellschaftliche und politische Wirklichkeiten. Die Malerin stellt dem Individuum (der einzelnen Taube) das Kollektiv (den Taubenschwarm) gegenüber, thematisiert Hierarchiestrukturen sozialer Gruppen und versucht auf diesem Wege eine Art »Symptomatik der Gesellschaft« aufzuzeigen.
Hartwig Knack, Kurator Kunsthalle Krems
Kurzbiographie
1980 geboren in Altstätten, Schweiz aufgewachsen im Fürstentum Liechtenstein | 2001–2007 Universität für angewandte Kunst, Wien Studium der bildenden Kunst mit Schwerpunkt Malerei bei Johanna Kandl
Ausstellungen (Auswahl)
2002 »Plattform«, Raum für Kunst, Altstätten, Schweiz | 2003 »Lichtblicke«, Galerie Norek, Melk Klassenausstellung, Universität für angewandte Kunst, Wien | 2004 »Symptome«, Schlösslekeller, Vaduz, Liechtenstein (Solo) »Kunst zum Stehlen«, Werftgalerie, Wien | 2005 »ich, du, er sie es«, Galerie Franzke, Wien / »Malstrom«, Universität für angewandte Kunst, Wien / »Real-Junges Österreich«, Kunsthalle Krems / »Hot Spots«, Sammlung Essl, Klosterneuburg | 2006 »Wiener Blut«, Kunstraum 21, Köln / »Eau de Cologne«, Werftgalerie, Wien / »Visum Repertum«, Stella Art Gallery, Moskau / »The Essence 2006«, MAK, Wien / Galerie Lisi Hämmerle, Bregenz / Artothek-Galerie, Wien (Solo) / Galerie Lehner, Wien
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