Johanna Braun
I'm a Necromancer Not a Belly Dancer
5. April – 2. Mai 2013
Johanna Braun
I'm a Necromancer Not a Belly Dancer
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„Wenn das Haus fertig ist, kommt der Tod“. Ein türkisches Sprichwort, das sich Thomas Mann geliehen hat, um es seinem Johann Buddenbrook in den Mund zu legen. Bei der Ausstellung muss man erst gar nicht so lange warten. Wie der Titel verrät, versteht sich Johanna Braun als necromancer, was soviel wie Geister- oder Totenbeschwörerin bedeutet. Nekromantie leitet sich aus dem griechi schen νεκρομαντεία (nekromanteía) ab, eine Zusammensetzung aus dem altgriechischen νεκρός (nekrós) „Leichnam“, und μαντεία (manteía) „Prophetie oder Mantik“. Ebenfalls auffällig ist die Wort-Verwandtschaft zur Nekrophilie (necro-romancer). Die kann man bei Braun wörtlich nehmen. Hegt doch die Künstlerin eine große Liebe für die Geister der Vergangenheit, die in der Gegenwart noch ihr Unwesen treiben. Man könnte behaupten, dass sie mit eben diesen sogar unter einer Decke steckt. In dieser Ausstellung sprichwörtlich. So stellt Braun ihr Bett in den Räumlichkeiten der Startgalerie auf und lädt bei der Eröffnung Besucher ein sich mit ihr ins Bett zu legen. Als Souvenir gibt’s ein Foto. Das eigentliche Herzstück der Ausstellung bildet der Mnemosyne Bilderatlas des Unheimlichen. Des unheimlich Weiblichen um genau zu sein. Ganz in der Tradition von Aby Warburg, der seinen Atlas auch ganz passend als eine „ghost story for adults“ beschrieb. Diese Umschreibung hat sich Braun in ihrer Arbeit zum Leitspruch gemacht. Braun gibt Einblick in ihr Sammelsurium von Filmplakaten, und Trailern, Reproduktionen von alten Malereien in Postkartengröße, Zeitungsausschnitten und ihren eigenen Arbeiten. Beim ersten Anblick der Bildanordnung bekommt man den Eindruck, diese unterliege ganz einfach der puren Phantasmagorie der Künstlerin. Bei näherem Hinsehen jedoch leuchtet ein, wie es zu der einen oder anderen Verbindung kommen konnte. Die einzige Konstante in diesem Verlauf der Gedankenstränge scheint Das unheimlich Weibliche zu sein. Durch die ständige Wiederholung wird der Blick des Betrachters geschärft. Eines der theoretischen Probleme der Wiederholung und Überarbeitung ist die Frage nach Authentizität. Was ist ein Original, was eine Kopie? Die Wände sind dicht bedeckt mit Abbildungen, welche die Künstlerin zusammengetragen hat. Gerade in dieser Fülle an Material fallen immer wieder die leeren Stellen zwischen den überladenen Wandflächen auf. Doch gerade diese Lücken geben den Anschein als würden sie die Geister der Vergessenheit herauf beschwören. Und genau hier, zwischen den Zeilen, zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren, zwischen dem Realen und Imaginären wird Walter Benjamins Frage nach dem Authentischen, nach dem Auratischen im Werk beantwortet. Am Tagesende wird dem Betrachter auch ganz klar: Das Heraufbeschwören hat auch seine Schattenseiten.
Um Goethes Worte in Brauns Mund zu legen:
Immer neue Güsse bringen sie herein,
Tausend schwarze Flüsse stürzen auf mich ein.
Hör mich an, oh Meister, meine Not ist groß:
Die ich rief, die Geister, werd’ ich nie wieder los.
(J. W. v. Goethe: Der Zauberlehrling)
Kurzbiographie
Johanna Braun geboren 1987 in Wien | lebt und arbeitet in Wien | 2004–2008 Akademie der bildenden
Künste, Wien | 2009 Artist in Residence, School of Visual Arts, New York | 2011 Artist
in Residence, School of the Art Institute, Chicago
Ausstellungen (Auswahl)
2012 Die Chic Boutique & Das Chic Boutique Café, DieAusstellngsstrasse, Wien | MAK DAY, MAK Wien | 2011 Austria Davaj!, MUAR. Staatsmuseum für Architektur, Moskau (in Kooperation mit MAK Wien) | Beautiful Views, Special Project, 4th Moscow Biennale (curated by S. Mraz & P. Weibel) | The (secret)* Return of NoEVER, ACE MUSEUM, Los Angeles | Who is afraid of Virginia Woolf, Galerie Gabriele Senn – Window Shopping Series (Solo) | 2010 Heb, Kunsthalle Autocenter, Berlin | Georg Eisler Preis (Nomination), BA-CA Kunstforum – Tresor, Wien | Vienna Biennale MAKNight, MAK, Wien | Berlin calls 0043, The forgotten bar – Galerie im Regierungs - viertel, Berlin | Danger Danger, FondationHerz, Wien (Solo) | 2009 We all go over the bridge, Galerie Meyer Kainer, Wien | Every day – life slips away, School of Visual Arts, New York (Solo) | Rose garden, CAM-Gallery, Istanbul | seit 2012 Gründerin und Kuratorin der „Die Chic Boutique“ (www.DieChicBoutique.com ) | 2010 Next Generation: Johanna Braun Shows Her Favorits | Vienna Gallery Weekend, Wien (initiiert von Galerie Christine König und Gabriele Senn) | 2009–2012 kuratorische Leitung des Ausstellungsraumes FondationHerz, Wien
Kontakt:
www.JohannaBraun.com