KARTOGRAFIE

Der Sammlungsbereich Kartografie umfasst mehr als 7.000 Stadt- und Bezirkspläne sowie Gesamtansichten aus der Zeit vom 15. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. 

Mehrere bedeutende Zeugnisse aus der Frühphase der Wiener Kartografie werden hier verwahrt: So verfügt das Wien Museum über die einzige erhaltene Kopie des ältesten bekannten Stadtplans von Wien – des so genannten „Albertinischen Plans“ aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts (Original um 1421/22). Zu den weiteren Raritäten gehört eine Rundansicht der Stadt zur Zeit der ersten Türkenbelagerung (1529) von Niklas Meldemann, die in ihre zentrale Vogelschau auf die Stadt auch Darstellungen von den Kampfhandlungen integriert. Eine Kuriosität der Stadtkartografie ist eine türkische Planzeichnung der Schlacht um Wien im Jahr 1683: Sie gibt neben topografischen Merkmalen auch ereignisgeschichtliche und sagenhafte Elemente aus osmanischer Sicht wieder. 

In anderer Hinsicht bedeutsam sind die beiden Rundpläne von Augustin Hirschvogel und Bonifaz Wolmuet aus dem Jahr 1547: Sie waren das Ergebnis der ersten geometrischen Aufnahme der Stadt und stellen die ersten bekannten Grundrisszeichnungen Wiens dar. Seit kurzem verwahrt das Wien Museum als Dauerleihgabe auch eines der wenigen erhaltenen Exemplare der Hoefnagelschen Stadtansicht von 1609. Sie gilt als die älteste topographisch verlässliche Darstellung der Stadt, die zugleich auch künstlerisch wertvoll ist, und stellt eine der beliebtesten historischen Abbildungen Wiens dar. Herausragend ist auch die großformatige perspektivische Gesamtansicht der Stadt und ihrer Vorstädte durch Joseph Daniel von Huber (1769-73).

Aktuell liegt der Fokus der Sammlungsaktivitäten auf kartografischem Material aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg und der Zeit nach 1945. Gesammelt wird dabei nicht nach dem Prinzip der Vollständigkeit, sondern nach Repräsentativität und Signifikanz.