FOTOGRAFIE

Unter den rund 100.000 Fotografien in der topografischen Sammlung des Wien Museums befinden sich Beispiele frühester Unikatverfahren wie der Daguerreotypie, ein Bestand an Glasnegativen sowie eine Sammlung von stereoskopischen Aufnahmen. Besonders wertvoll sind die rund 150 großformatigen Aufnahmen auf Salzpapier, die um 1860 im Rahmen mehrerer Fotokampagnen von der k.k. Hof- und Staatsdruckerei initiiert worden sind. Hier findet sich unter anderem ein Stephansdom-Panorama von Leopold Weiss aus dem Jahr 1860 sowie eine Dokumentation der Wiener Stadtbefestigung kurz vor ihrer Demolierung im Jahr 1857. 

Der Schwerpunkt der topografischen Fotosammlung liegt in der Architektur- und Stadtfotografie um 1900. Im Sinne des damals aufkommenden Denkmalschutzgedankens galt es, die gewaltigen städtebaulichen Veränderungen im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts fotografisch festzuhalten; die neuen Möglichkeiten der seriellen Produktion trugen zur Verbreitung dieser Fotografien bei. Die Dichte dieses Bestandes ermöglicht – zumindest für die inneren Bezirke – eine umfassende bildliche Dokumentation der Stadt der Jahrhundertwende. Viele der wichtigsten Wiener Stadtfotografen dieser Zeit sind in der Sammlung vertreten, unter anderem Michael Frankenstein, Franz Holluber, Josef Mutterer, Moritz Nähr, Bruno Reiffenstein und Anton Karl Schuster. Eine Suche nach Fotografen ist allerdings nur eingeschränkt möglich, denn die Stadtaufnahmen dienten damals primär Dokumentationszwecken. Weder die einzelne Fotografie noch der Fotograf als Autor standen im Vordergrund; der Wert einer Sammlung bestimmte sich lediglich über deren Umfang. 

Eine Ausnahme stellt der Wiener Architektur- und Landschaftsfotograf August Stauda (1861-1927) dar. Seine Fotopositive konnten aus der ausschließlich topografischen Ordnung herausgelöst werden und stellen nun einen wertvollen Sonderbestand dar. Stauda hat Wien um 1900 in mehr als 3.000 Fotografien festgehalten und schuf damit eine minutiöse Dokumentation des „Alten Wien“, das damals zu verschwinden drohte. 

Einen weiteren Höhepunkt stellt die Glasnegativ-Sammlung von Martin Gerlach jun. (1879-1944) dar. Dieser fotografierte zwischen 1925 und den spätern 30er-Jahren im Auftrag der Gemeinde Wien die städtebauliche Entwicklung vom kommunalen Wohnbau des „Roten Wien“ bis zum Bau der Höhenstraße. Mehrere tausend Stadtansichten umfasst auch die Sammlung des Schauspielers und Kulturhistorikers Fred Hennings (1895-1981). Dieser war nicht nur Sammler von topografischen Stadtansichten, sondern hatte selbst in den letzten Kriegsjahren systematisch die Wiener Innenstadt fotografiert und so deren Zustand vor ihrer teilweisen Zerstörung festgehalten.