ANGEWANDTE KUNST

Die Sammlung angewandter Kunst im Wien Museum beinhaltet eine breite Palette von Objekten des Wiener Kunsthandwerks. Zu den ältesten Objekten gehören Glasmalereien aus dem 14. Jahrhundert, unter denen vor allem die Glasfenster aus dem Chor von St. Stephan (um 1340) herausragen. Die Schwerpunkte der Sammlung liegen im Biedermeier und in der angewandten Kunst um 1900: Die wichtigsten Wiener Manufakturen und Werkstätten sowie Handwerker und Entwerfer dieser Epochen sind hier vertreten. Die Bestände gliedern sich in Arbeiten aus Porzellan, Glas, Keramik, Metall und Varia (z. B. Perlmuttarbeiten). 

Im Bereich Porzellan reicht das Spektrum von Arbeiten aus der von Claudius Innocentius du Paquier gegründeten „Wiener Porzellanmanufaktur“ (1718) bis hin zu Objekten aus der 1923 neu gegründeten „Wiener Porzellanmanufaktur Augarten“. Höhepunkte der Sammlung bilden Arbeiten aus der klassizistischen „Sorgenthal-Periode“ sowie Biedermeierschalen mit feiner Porzellanmalerei.

Mit transparenter Emailfarbe bemalte „Ranftbecher“ – sich nach oben verbreiternde Gläser mit einem leicht vorstehenden Bodenrand, dem „Ranft“ – und andere Gläser von Gottlob Samuel Mohn und Anton Kothgasser zählen zu den herausragenden Arbeiten biedermeierlichen Kunsthandwerks. Neben Gläsern mit Ansichten von Wiener Plätzen und Gebäuden sind in der Sammlung auch Freundschafts- und Erinnerungsgläser sowie Gläser mit Regentenporträts vertreten.

Zu den bemerkenswertesten Keramikbeständen des Wien Museums gehören rund 500 Arbeiten aus der Wiener Manufaktur Goldscheider (1885-1953) – zumeist seriell hergestellte Figuren, die den populären Zeitgeschmack vom Historismus bis zu den 1950er Jahren widerspiegeln. Unter ihnen befinden sich berühmten Modelle wie „Der gefangene Vogel“ von Josef Lorenzl und „Der Modehund“ von Ida Meisinger sowie Keramiken von Künstlern wie Arthur Strasser, Stefan Dakon oder Rudolf Knörlein. 

Umfangreich ist der Bestand zur Wiener Werkstätte (1903-1932), die – anknüpfend an alte Handwerkstraditionen und die Arts and Crafts-Bewegung – eine moderne Wiener Formensprache von internationalem Ansehen entwickelte. Unter den Arbeiten der Frühphase sind vor allem Silberobjekte von Josef Hoffmann, Koloman Moser und Dagobert Peche sowie Keramiken von Michael Powolny und Berthold Löffler hervorzuheben. Die 1920er-Jahre sind durch Glas- und Keramikobjekte von Künstlerinnen wie Vally Wieselthier, Marie Strauß-Likarz, Hilde Jesser oder Kitty Rix dokumentiert. 

Mit Arbeiten des Entwerfers Carl Auböck (1900-1957) verfügt die Sammlung auch über einen wichtigen Bestand von Designobjekten der 1930er bis 1950er-Jahre. Seine Entwürfe für Gebrauchsgegenstände der gehobenen Wohnkultur – von Buchstützen bis hin zu Rauchutensilien – wurden weltweit exportiert. Aktuell wird die Sammlung um Designgegenstände aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erweitert.