RÖMERZEIT

Das Wien Museum beherbergt mit gegenwärtig rund 100.000 Objekten die größte Sammlung römischer Artefakte aus dem Wiener Stadtgebiet. Sie geht auf das späte 19. Jahrhundert zurück, als man begann, die Wiener Innenstadt massiv umzubauen und dabei auf zahlreiche archäologische Überreste stieß. Seit damals ist bekannt, dass sich im Bereich des 1. Gemeindebezirks das römische Legionslager Vindobona mit seiner Lagervorstadt befand. Eine zivile römische Siedlung erstreckte sich über Teile des heutigen 3. Bezirks.

Die mit der Zahl der Fundstellen ständig anwachsenden Objektmengen sprengten bald die Lagerkapazitäten des 1887 eröffneten Historischen Museum im neuen Rathaus am Ring und führten 1903 zur Einrichtung eines eigenen „Museum Vindobonense“ in der Rainergasse 13 im 4. Bezirk. Nach dessen Zerstörung im Jahr 1945 wurde die um ihre wertvollsten Objekte dezimierte Sammlung vom Historischen Museum der Stadt Wien, dem heutigen Wien Museum, übernommen.

Noch um 1900 selektierte man die Fundstücke und konzentrierte sich beim Weitersammeln hauptsächlich auf herausragende Objekte. Mit der Weiterentwicklung der Archäologie als Wissenschaft kam man von dieser Sammlungsstrategie ab: Heute wird auf die gesamte materielle Hinterlassenschaft einer Ausgrabung Bedacht genommen, da sich nur aus der Geschlossenheit der Objekte einer Fundstelle kulturhistorische Aussagen treffen lassen.

Den größten Teil der nach topografischen Kriterien geordneten römerzeitlichen Sammlung des Wien Museums machen keramische Objekte aus, gefolgt von Artefakten aus Glas, Knochen und Metall. Im Vergleich zu anderen Sammlungen haben sich relativ wenige Steinobjekte erhalten: Sie galten als wertvolles Baumaterial und wurden im Zuge der fast 2000jährigen Geschichte der Stadt immer wieder neuen Bauvorhaben zugeführt. Neben den archäologischen Objekten selbst zeugen Fundakten, Fundtagebücher, Grabungsnotizen und Fotografien von der Geschichte der archäologischen Erforschung der Römerzeit seit 1900.