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DER DRITTE MANN
Wien auf den Spuren eines Filmklassikers

25. Oktober 2002 bis 2. Februar 2003

Historisches Museum der Stadt Wien 1040 Wien, Karlsplatz

Bestsellerautor Graham Greene schlägt Filmproduzent Alexander Korda die Geschichte vom mysteriösen Verschwinden und plötzlichen Wiederauftauchen eines Mannes namens Harry vor. Die Idee gefällt ihm. Aber London als Drehort? Findet er wenig spektakulär. Wie wäre es mit Wien? Da gäbe es doch das Sacher! Außerdem würde sich Wien als ungewöhnliche und tagespolitisch topaktuelle Kulisse in Verbindung mit einer internationalen Starbesetzung weltweit ungemein besser verkaufen lassen als London.

1947 ist Wien eine zerstörte, an den Kriegsfolgen leidende und von alliierten Truppen besetzte Stadt, Drehscheibe des Kalten Krieges und Sammelbecken entwurzelter und zwielichtiger Existenzen. Menschen verschwinden, der Schwarzmarkt bestimmt das Überleben, die Wunderdroge Penicillin ist zum begehrten Objekt von Schieberbanden geworden. Welch ein Potential für einen spannenden Thriller! Die Idee zum Dritten Mann ist geboren, die Stadt an der Donau wird zum Harry Limes!

Dem englischen Star-Regisseur Carol Reed gelingt es, einen Kultfilm der Spitzenklasse und vielfach preisgekrönten Welterfolg zu landen, der auch nach einem halben Jahrhundert nichts von seiner Faszination und Aktualität eingebüßt hat. Orson Welles, Joseph Cotten, die ,italienische Garbo’ Alida Valli brillieren neben Wiener Theater- und Leinwandlieblingen Paul Hörbiger, Hedwig Bleibtreu und Ernst Deutsch. Die expressionistische Schwarzweißfotographie, die symbolhafte Riesenradfahrt über den Dächern von Wien und eine spektakulär in Szene gesetzte Flucht durch die Wiener Kanäle bleiben unvergessen.

DER DRITTE MANN ist aber auch ein faszinierender Mikrokosmos österreichischer Nachkriegsgeschichte und d e r Wien-Film schlechthin geworden. Kein anderer Film hat einen so umfassenden und weit über ein cineastisches Interesse hinausgehenden Wienbezug. Kein anderer Film hat die Zeitgeschichte, aber auch Stadtlandschaft Wiens in so eindrucksvollen Bildern und in so dokumentarisch-präziser Form eingefangen und damit Film- und Stadtgeschichte nahtlos miteinander verschmelzen lassen. Die Figur des durch die Kanäle von Wien hetzenden Bösewichts im schwarzen Mantel und Schlapphut ist zu einem Symbol für ein Wien, jenseits von kaiserlicher Pracht und Walzerherrlichkeit geworden, der "dritte Mann" zu einem geflügelten Wort in Politik und Werbung und das legendäre "Harry-Lime-Thema" zu einer Kennmelodie unserer Stadt. Der Film hat das Bild Wiens im Ausland entscheidend mitprägen geholfen und ist Teil unseres kulturellen Erbes und Selbstverständnisses geworden.

Im Mittelpunkt der vom Czernin Verlag in Zusammenarbeit mit dem Historischen Museum der Stadt Wien, der Wiener Stadt- und Landesbibliothek und dem British Council veranstalteten deutsch-englischen Ausstellung, die von Architekt Carl Auböck konzipiert und von Brigitte Timmermann und Frederick Baker zusammengestellt worden ist, steht DER DRITTE MANN somit als cineastisches Kunstwerk als auch eines der wichtigsten Zeitdokumente zur Geschichte Wiens. Zum Teil noch nie öffentlich zugänglich gemachtes Bildmaterial zum Film und seiner schillernden Entstehungsgeschichte kombiniert mit einer Fülle von Originalobjekten und einer faszinierenden Ton-Installation lassen die Welt des Dritten Mannes wieder lebendig werden.

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